Grundgedanken der Hospizbewegung

„Wenn wir eine weise Frau brauchen,
um uns ins Leben zu begleiten,
so brauchen wir jemand ebenso weisen,
um uns wieder hinauszubegleiten." (Montaigne)

Der Tod gehört zu unserem Leben wie unsere Geburt.
Wir kommen auf die Welt - aus der Geborgenheit im Bauch unserer Mutter: sehr verletzlich und unvorbereitet. Wir brauchen den Kontakt, die Orientierung, die Gemeinschaft mit unserer Familie, unseren Freunden, anderen Menschen, um heranzuwachsen und unseren Weg im Leben gehen zu können. Warum sind weniger Menschen bereit, Menschen bei den letzten Schritten ihres Lebens zu begleiten? Auch da kann es sehr wichtig sein, sich in einer Atmosphäre der Aufmerksamkeit zu wissen, die Mut und Kraft geben kann, sich auf das einzulassen, was uns begegnet.
Hospize haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen am Ende ihres Lebens zu begleiten, sie dabei zu unterstützen, mit größtmöglicher Selbstbestimmung und in Würde dem eigenen Tod gegenüberzutreten.

Der Name „Hospiz" kommt von den mittelalterlichen Herbergen entlang der Pilgerwege, in denen die Pilger zur Ruhe kommen konnten auf ihrem beschwerlichen Weg, wo sie Kraft tanken konnten um wieder weitergehen zu können. Solange es geht, sollen Menschen in der Geborgenheit ihrer vertrauten Umgebung zu Hause bleiben können, wenn sie es wünschen. Ein Mensch, der stirbt, soll dort sterben dürfen, wo er es möchte und wie er es möchte.
Es geht nicht nur um ein Tun an den Sterbenden, sondern auch um das Bewusstsein, daß auch wir, die wir helfen, sterblich sind. Unsere Sterblichkeit und damit unser Sterben soll nicht wie etwas, das nicht zu uns gehört, verdrängt werden, sondern wir wollen es in unserem Leben als eine Wirklichkeit integrieren.
Die Idee von Hospiz ist nicht ein Ort, an den wir die leidvollen Erfahrungen der Endlichkeit unseres Lebens hinschieben, sondern es ist eine Haltung dem Leben gegenüber, in dem uns Krankheit, Leiden, Sterben, Tod und Trauer begegnen. Daß wir uns darin gegenseitig nicht allein lassen, wer auch immer von uns in diese Situationen kommt, ganz besonders aber nicht im Sterben. Darum geht es in erster Linie um eine Grundhaltung den Sterbenden und deren Angehörigen gegenüber, aber auch uns selbst.
Wir wünschen uns durch unsere Arbeit, daß auch das Sterben von Menschen und die Trauer um die Menschen, die wir verloren haben nicht verdrängt werden müssen, sondern zum Leben dazugehören. Im Gegenteil: schwerkranke und sterbende Menschen vermitteln Erfahrungen von Lebensbewältigung an den Grenzen des Daseins. Menschen, die Sterbende begleiten können viel von Sterbenden empfangen für das eigene Leben. Menschliches Leben bleibt Leben - von seiner Geburt bis zu seinem Tod als ein ganzer Kreis menschlicher Existenz.