Beratung

 

"Wir bieten auch Palliative Care Beratung an." ...
"Palliativ- was bitte?"

 

Der Begriff palliativ leitet sich ab vom lateinischen pallium (=Mantel) und wird im ‚Hospizsprachgebrauch' mit palliare (=umhüllen) in Verbindung gebracht, im Sinne von umgeben.

 

Mit Palliativmedizin ist die Art der ärztlichen und pflegerischen Behandlung gemeint, die einsetzt, wenn das Ziel von Medizin und Pflege nicht mehr die Heilung sein kann, sondern das Ziel ärztlichen und pflegerischen Handelns die Linderung von Schmerzen und Symptomen bei schwerstkranken und sterbenden Menschen ist. So steht im Zentrum unserer palliativpflegerischen Beratung die Suche nach Möglichkeiten, die Schmerzen und Symptome, die bei fortgeschrittenen Erkrankungen, die zum Tode führen, häufig auftreten, zu lindern. Dies manchmal auf anderen Wegen und mit anderen Mitteln als die kurative (=heilende) Medizin und Pflege.

 

Doch Palliativmedizin und palliativpflegerische Beratung sind "nur" teil eines Ganzen, das sich Palliative Care (Care =Sorge, Achtsamkeit, Pflege) nennt. Vielleicht im Deutschen zu übersetzen mit ‚allumfassender Fürsorge'. Der Begriff Palliative Care wurde von Cicely Saunders, die Begründerin des ersten europäischen Hospizes in London, geprägt. Sie verband ihn mit dem Gedanken des total pains, dem totalen Schmerz. Damit wollte sie klarmachen, dass das Leiden an einer todbringenden Krankheit immer vier Dimensionen hat. Sie unterschied den körperlichen Schmerz, den psychischen Schmerz, den spirituellen Schmerz und den sozialen Schmerz. Schmerz kann hier auch durch das Wort Leid oder Leiden ersetzt werden. Wird der Erkrankte nur unter dem Gesichtspunkt des körperlichen Leidens betrachtet, beraten und behandelt unter Vernachlässigung der seelischen, spirituellen und sozialen Seite der Krankheit, wirkt sich dies negativ auf den Verlauf der Krankheit und somit auf die Lebensqualität des Betroffenen aus.

 

In Anlehnung an eine Definition aus der Zeitschrift für Palliativmedizin (Dez/2001) kann Palliativberatung verstanden werden als eine ganzheitliche Beratung bei einer unheilbaren und progredienten Erkrankung im weit fortgeschrittenen Stadium. Wobei es um Linderung von körperlichen, seelischen, spirituellen und sozialen Problemen geht mit dem Ziel der bestmöglichsten Lebensqualität. Dabei steht der Betroffene als Autorität im Zentrum der Beratung unter Einbeziehung der Angehörigen und/oder Nahestehenden. Der Be-handlungsauftrag ist somit weiter gefasst als in der herkömmlichen Medizin und Pflege.

 

Gundi Doppelhammer schreibt zur Begrifflichkeit "Beratung": "Der Begriff Beratung wird in unterschiedlicher Weise verwendet. Oft wird er gebraucht im Sinne von Informationen geben. Auch das Ratgeben wird als Beratung bezeichnet. ‚Beraten ist nicht Rat geben, sondern zuhören und dann, wenn wir zugehört haben, das Gespräch so führen, dass die andere Person in diesem Gespräch für sich selbst eine Lösung finden kann.' schreibt Vera Tschudin zum Konzept des Counselling in der Pflege.....Übersetzt bedeutet "Counselling" natürlich in erster Linie Beratung. Darin enthalten ist das Zuhören-Können, die Empathie, die wir unserem Gesprächspartner entgegenbringen und der Prozess, bei dem wir ihn begleiten. Wir alle brauchen in gewissen Situationen Rat, Information oder Anleitung von anderen Menschen. Der Unterschied zwischen diesen Arten von Unterstützung und Counselling besteht darin, wie die helfende Person zuhört. Alle genannten Hilfestellungen können mit Gefühl zu tun haben. Das Begleiten und Beraten aber beginnt mit Gefühl. Es bedeutet nicht nur die gesprochenen Worte zur Kenntnis zu nehmen, sondern einer Person in ihrer Ganzheit zuzuhören. Der Berater, die helfende Person, braucht nicht nur Informationen und gewisse Fähigkeiten. Sie muss vor allem bereit sein, sich selbst in den Prozess einzubringen." (Gundi Doppelhammer, Kommunikation im Hospiz- Beratung in der Hospizarbeit. Counselling: Eine begleitend-beratende Beziehung/ die Hospiz Zeitschrift Jhg.6 2004/2)

 

Schließen möchte ich mit einer Auflistung der Grundpfeiler von Palliative Care:
- der Mensch steht im Mittelpunkt - Linderung von Schmerzen, Symptomen und Leiden
- der Betroffene und seine Nächsten werden als Einheit betrachtet
- multiprofessionelle Zusammenarbeit ist notwendig
- Freiwillige (=Ehrenamtliche) gewährleisten wichtige Unterstützung
- Leben und Sterben sind untrennbar

Diese Aufzählung habe ich dem Buch "Den letzten Mantel mache ich selbst" von S.Porchet-Munro/ V.Stolbert/ E.Waldmann entnommen. Es ist erschienen im Schwabe Verlag Basel (ISBN 3-7965-2144-4). Das Buch ist auch für bisher Hospiz und Palliative

Care "Ferne" geeignet, um sich -für sich selber- mit dem Thema auseinanderzusetzen und somit die Chance zu haben, sich seinen letzten Mantel wirklich selber (=selbstbestimmt) zu machen.

 

Imke Hiepler